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Urlaubslektüre: "Die Sonnenstadt"

Die erste deutsche Übersetzung der italienischen Urfassung eines Klassikers der Staatsutopien: die Sonnenstadt des Mönches Fra Tomaso Campanella ist für Ernst Bloch die Utopie der Ordnung gegenüber der Utopie der Freiheit des Thomas Morus. Der Ruhm des Textes in ganz Europa gründet auf der lateinischen Version. Die 20 Jahre früher entstandene Fassung in der italienischen Volkssprache zeigt deutlicher, daß der utopische Entwurf das idealisierte Programm eines Volksaufstands von 1599 war, dessen Scheitern seinen Anführer Campanella für 27 Jahre in die Kerker Neapels verbannte, weil er die Menschen zu einer Veränderung aufgerufen hatte, die Eigentum und Familie abschafft und beiden Geschlechtern einen vierstündigen Arbeitstag mit der restlichen Zeit für Bildung und Muße verheißt.
und mit gleichem Titel erschien über 400 Jahre später:
1922  erschien Jakob Vetschs im Jahr 2100 spielendes utopisches Werk Die Sonnenstadt, in welcher er die Ideologie des Mundismus (von lat. Mundus, die Welt) literarisch gestaltete und radikal mit der bürgerlichen Gesellschaft und Wirtschaft, mit Kirche und Staat, mit Kapitalismus und Kolonialismus abrechnete. In der Zürich nachempfundenen Sonnenstadt war zum Beispiel die Frau gleichberechtigt, behielt ihren Namen nach der Heirat und konnte ihn auch an Kinder weitergeben, das Geld war abgeschafft, die Arbeitszeit auf 25 Wochenstunden beschränkt und der Sex von der Ehe gelöst. Beeinflusst wurde Vetsch unter anderem von der Freigeldtheorie Silvio Gesells, aber auch von Friedrich Nietzsche und Richard Wagner. Vetschs Utopie – ein typisches Kind seiner Zeit – stiess weitgehend auf Ablehnung und wurde als Plagiat von Tommaso Campanellas La città del Sole verunglimpft.
Beispiele der Utopie der letzten 600 Jahre Neuzeit in Europa.

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