Porzer Illustrierte     Das Onlinemagazin seit 2003

Porz Köln NRW News Porzer Illustrierte www.porz-illu.de

 

  • Poll
  • Porz-Mitte
  • Urbach
  • Wahnheide
  • Zündorf

 

Sie sind hier

Köln Porz Finkenberg

Finkenberg

Jochen Geis

Finkenberg ist zumeinen die Gletscherwelt im österreichischen Tirol, zum anderen die Stadtgletscherlandschaft mitten in Köln Porz. Diese Stadtlandschaft ist und lässt jedoch nicht kalt. Sie spricht an und stößt ab, wie der natürliche Teil dieses Vergleiches.

Die Planstadt Finkenberg wurde Mitte der 1960er Jahre als urbane Mustersiedlung und„Demonstrativ-Bauvorhaben“ des Bundes konzipiert und ab 1972 von der gewerkschaftsnahen „Neuen Heimat“ errichtet. Nach deren herbeigeführtem Bankrott wurde die Siedlung Spekulationsobjekt. Ein Großteil der Mieten bestreitet die Stadt Köln, viele Mieter sind Empfänger von Transferleistungen. Die Gebäude nördlich der Theodor Heuss Strasse sind an die Sahle übergegangen.

Die Gebäude südlich der Theodor Heuss Strasse wurden teils in Eigentum umgewandelt und sind zum anderen Teil im wechselnden Besitz. Dieser Teil der Siedlung hat einen erheblichen Investitionsstau und wird zu einem beträchtlichen Teil von Transferleistungsempfängern bewohnt. Hier gibt es eine Synagogengemeinde und ein jüdisches Altenheim. Die jüdische Gemeinde setzt sich fast ausschließlich aus Bürgern der ehemaligen Sowjetunion zusammen, russisch ist Umgangssprache, religiöse Rituale sehr wenig verbreitet, die Distanz zur Religion ist bei allen Generationen durchgängig hoch. Begegnungszentrum Porz, Theodor-Heuss-Str. 43-45, 51149 Köln

Selbstverständnis und Kultur

Noch heute wird das Gebiet von vielen Bewohnern „Das Demo“ genannt. Es hat sich eine beachtenswerte musikalische Subkultur entwickelt.

Z.B. KPD Köln Porz Deadline

http://www.youtube.com/watch?v=EjDinJ6901M

Die bundesweit bekannte Komedian Rebekka hat sich mit Finkenberg im Herzen gleich mehrfach Köln Porz vorgenommen

http://www.youtube.com/watch?v=GppxrYuhgIc

http://www.youtube.com/watch?v=F47nA-h9GjM

Die Theorie ist das eine, die Praxis das andere. Finkenberg ist über die Grenzen Köln hinaus bekannt und wurde erst vor wenigen Jahren ein Stadtteil Kölns, zuvor war es zwischen den Stadtteilen Porz und Eil aufgeteilt.

Die Darstellung des Stadtteiles in Tagespresse und Kinofilm ist sehr ausschnitthaft, einseitig, problem- und vorurteilsbehaftet und übertrieben.  Finkenberg hat 6459 Einwohner (Stand Ende 2010) und ist mit ca. 10.000 Einwohnern je qkm sehr dicht besiedelt aber weder dramatisch noch extrem.

Selbst in Deutschland gibt es weit dicht besiedeltere Stadtgebiete;

das Westend in Wiesbaden, mit rund 25.000 Einwohner im qkm.

der Hamburger Stadtteil Hoheluft-West hat 18.214 Einwohner/km²

der Stadtteil Friedrichstadt in Düsseldorf kommt auf etwa 17.200 Einwohner/km²

der Münchner StadtteilSchwabing-West hat 14.217 Einwohner/km²

Der Berliner Stadtteil Kreuzberg hat eine Bevölkerungsdichte von 14.184 Einwohner/km²

In Europa besitzt Paris mit 24.672 Einwohnern/km² eine sehr hohe Bevölkerungsdichte; das 11. Arrondissement hat die höchste Dichte von Paris mit 40.672 Einwohnern/km².

Auf Pariser Verhältnisse übertragen wäre Finkenberg ein verschlafenes Wohngebiet mit viel Grün und relativ wenig sozialen Problemen. Auf die Verhältnisse in Deutschland übertragen sind eine Reihe der Hochhäuser (in wechselndem Besitz) extrem vernachlässigt. Ein Teil der Siedlung besteht aus liebevoll gepflegten  Bungallows und Einfamilienhäusern. Die meist älteren Eigentümer der Bungalows bilden eine gute Nachbarschaft und lieben z.B. das Boolespiel im Garten. Eine Balettschule und ein Theater russischer Migranten ist in Finkenberg zu finden. Es gibt hier eine relativ große jüdische Gemeinde. Für die Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion stellt Finkenberg eine eher ganz normale städtische Siedlung dar.

Für viele „Ureinwohner“ ist der Stadtteil mit Negativlegenden behaftet und wie das so ist, es lässt sich vortrefflich besser fühlen, wenn man etwas hat worauf man herabblicken kann. Eine unangenehme Eigenschaft (klein)bürgerlicher Schichten, die ein spannungsfreies Zusammenleben nicht unbedingt erleichtert. Also es sind schon ziemlich ahnungslose Menschen die von Finkenberg reden als sei es das absolute Ghetto.

Naziaufmarsch 2006

Das Potenzial für Nachbarschaftshilfe und Zusammenhalt, besonders innerhalb homogener Gruppen im Viertel, wurde in einer amtlichen Erhebung als relativ hoch eingeschätzt. 2006 haben viele Einwohner Finkenbergs eindrucksvoll gegen eine aufmarschierende faschistische Kameradschaft protestiert. Die zunächst 49 später 50 Faschisten wurden von über 2.000 Polizisten in Kampfuniform geschützt. Porz wurde großflächig abgeriegelt. In Deutschland werden nur einige wenige Staatsoberhäupter und eben Faschisten in dieser Art, von den Staatsschutzorganen empfangen und geschützt. Bei Demonstrationen der Linken und Migrantenorganisationen stehen die Staatsschützer selten mit dem Rücken zu den Demonstrantinnen.  In Deutschland wurden seit Ende der 80er Jahre bis 2011 viele 10.000 Antifaschisten (Anwohner und Linke) von den Staatsschutzorganen immer wieder kriminalisiert, nur da sie gegen Nazis protestierten. Diese Proteste gegen Naziaufmärsche gelten dem Verfassungsschutz immer als Linke Gewalt und gehen so in die Statistik ein, egal ob der Protestierende überhaupt ein Linker ist.

Umgekehrt werden selbst Morde und Anschläge von Faschisten überhaupt nicht in den staatlichen Statistiken erfasst oder gar verharmlosend als „Dönermorde“ und ähnlich dargestellt. Wären Toppolitiker ermordet worden, würde mit Sicherheit nicht von den „Krawattenmorden“ gesprochen. Es ist unübersehbar das nach wie vor Teile des Staatsschutzapparates den Feind ganz ideologisch, dogmatisch und automatisch links sehen, das entscheidende Teile der Presse nach wie vor unreflektiert die Erklärungen des Staates reproduzieren. Ein Grund für Unwohlsein und Unheimatliche Gefühle bei den Betroffenen.

Anbindung

Die Siedlung ist mit einem direkten S-Bahnanschluß (Porz Steinstrasse) in weniger als 10 Minuten von HbF Dom zu erreichen. Dies macht Finkenberg für Neukölner sehr attraktiv, die Mieten sind hier relativ bezahlbar. Aber nicht immer ist die Substanz in Ordnung.

Wechselnde Besitzer, Stadt Köln hat kein Interesse und verschläft Möglichkeiten

Der Großteil der Siedlung wird ab und an so auch 2011 von dem Eigentümer für ca. 11 Mio Euro im Internet angeboten. Unsere Zeitschrift "Porzer Illustrierte" hat die Stadt Köln in einer entsprechenden Ausgabe aufgefordert, diesen baulich vernachlässigten Teil der Siedlung zu erwerben und dann als Hauptmieter (dei Stadt Köln kommt für viele Miet - Transferleistungen auf) für entsprechend modellhafte Wohnverhältnisse zu sorgen. Leider hat die Stadt Köln nicht gehandelt. In 2012 kam es zu einem Besitzerwecxhsel, nun werden fadenscheinig Krokodilstränen vergossen, da der neue Eigentümer eher an Optimierung der Einnahmen bei zeitgleichem Sparkurs denkt. Wer sich nun überrascht gibt ist politisch kaum seriös oder glaubhaft. Alle Parteien in Kölner Rat haben hier versagt und als die Gelegenheit zum Handeln war nicht gehandelt. Die Linke immerhin warnt vor einem Wiederholungsfall in Chorweiler. Die Bürger von Finkenberg machen indess den Mieteraufstand (Stand Dez.2012).

Eigenständiger Stadtteil

Die Bezirksvertretung Porz hat am 9. Dezember 2004 den Rat der Stadt Köln aufgefordert, der Siedlung den Status eines Stadtteils einzuräumen. Man versprach sich davon eine Stärkung der Identifikation seiner Bewohner mit ihrem Wohnquartier. Nach einer Änderung der Hauptsatzung der Stadt Köln wurde Finkenberg am 24. August 2007 der 86. Stadtteil von Köln. In Finkenberg gibt es das wahrscheinlich größte chinesische Restaurant, einen REWE Hauptverwaltungssitz, eine kleine Fußgängerzone mit russischem Supermarkt und einer Netto Filiale. Hier sitzt das Arbeitsamt Porz.

2013 wurde die Großsiedlung in ihren Problematischen Bestandteilen für wenige Mio. online angeboten. Dieses Onlineportal forderte den Erwerb der Gebäude und deren Entwicklung durch die Stadt Köln bzw. die städtische GAG. Leider interessierte sich die Stadt herzlich wenig für diesen Hinweis. Nun sind die Probleme groß, ein weiterer Spekulant hat die Siedliung erworben.

Bericht: http://porz-illu.de/?q=finkenberg_optisches_Blendwerk

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer