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Surfing Germanien – Teil 2

Barmstedt

20. März 2012
Zugfahren... Als ich zwischen 17 und 20 Jahre alt war, habe ich mich geweigert, einen Führerschein zu machen und Auto zu fahren. Warum sollte ich viel Geld ausgeben, Benzin verbrauchen, das die Umwelt verschmutzt, wenn ich mit anderen Leuten zusammen bequem per Bahn meine Ziele erreichen konnte? Erst später, als ich verheiratet war mit Kind habe ich einen Führerschein gemacht und war damit mobiler. In den letzten Jahren legte ich dann Wert auf den Komfort eines Autos, in das auch Zelt und viel Gepäck passen, allerdings achte ich noch darauf, möglichst andere Personen mitzunehmen und so Benzin zu sparen. Doch nun, in der Lebensmitte, kann es nicht schaden, „back to the roots“ zu gehen, nochmal zurück zu schauen und gleichzeitig zu testen, wo mittlerweile die eigenen Grenzen liegen und wie man die selben Dinge Jahrzehnte später bewertet. Also wieder die Gleise nutzen, dachte ich mir und habe ich mir eine Bahncard25 bestellt und gezielt Sparpreise ermittelt, nachdem meine Reiseziele und-tage feststanden.

(→ http://www.bahn.de/p/view/index.shtml

Am Dienstagnachmittag geht es also weiter, vom Bahnhof Bielefeld in den Norden. Die Verbindung ist zügig, allerdings macht der schwere Rucksack das Umsteigen anstrengend. Nicht überall gibt es Rolltreppen und Aufzüge und so muss ich dann meinen ungeübten Knien und Beinmuskeln ein um zig Kilos erschwertes Treppensteigen zumuten. Die Züge sind nicht überfüllt, zum Abstellen des breiten Rucksacks benötige ich aber eine größere Freifläche. Ideal sind 2 Freiplätze nebeneinander, da spare ich mir das Hochwuchten des Gepäckstückes. In Hannover muss ich das erstemal Umsteigen, im Hamburger Hauptbahnhof das zweitemal, in Elmshorn schließlich endet die normale Strecke der Bundesbahn und eine Privatbahn verteilt die Reisenden weiter auf die Kleinstädte.

Als mich dann am Barmstedter Bahnhof mein CS-Gastgeber Bernd mit strahlendem Gesicht zuvorkommend per Auto abholt und zur Gartenlaube fährt, sind die kleinen Reisemühen ganz unwichtig. Hier ist ein Mensch, der mit offenen Armen und jugendlicher Offenheit seinen ersten Couchsurfing(→www.couchsurfing.org ) Gast willkommen heißt. Und trotz seiner brennenden Neugierde  zu erfahren,was mich zu solch einer Reise treibt und wie ich diese plane und gestalte, ist er so umsichtig mir zunächst das Wichtigste in seinem Städtchen zu zeigen.

 

Barmstedt: (→ http://www.barmstedt.de/)  Das Stadtzentrum lässt sich fußläufig gut erreichen, eine verkehrsberuhigte Einkaufsstraße direkt am Rathaus beginnend zeigt Charme und lädt zum Shoppen und Klönen ein. Nah bei der See, benannt nach einem Grafen der hier ein Schlösschen baute, dass auch ein Gefängnis beherbergte: der Rantzauer See. Den Bade-und Bootssee kann man als Spaziergang umrunden oder im Park schlendern, nicht zuletzt weil hier ein GeoCacheFundort lauert. (→ http://www.geocaching.de/ ) An vier Tagen hat das großzügige städtische Schwimmbad „Badewonne“ geöffnet, mit Wellenfunktion 1x/Stunde an Sams-und Sonntagen. Weiter zeigt mir mein Gastgeber sein Stammlokal, eine Art Pub, den „Ratskroog“. Ein kleiner Einkauf im hiesigen Supermarkt endet mit größerem Einkauf, denn mittlerweile hungrig, werde ich in der Laube etwas Warmes für uns zubereiten. Zuvor fahren wir noch bei Bernds Wohnung vorbei, wo ich den Rest der Familie kennenlernen kann, Sarina und ihr Sohn begrüßen mich freundlich und wir plaudern eine Weile, dann fahren wir zurück zur Laube und der lange, gemütliche Teil beginnt: wir trinken Rotwein und einheimisches Astra-Bier aus kleinen bauchigen Flaschen zu meiner Kreation von Gyros an chinesischer Nudelpfanne, dabei erzähle ich von meiner Reiseidee und wir Beide aus unseren Leben.

Die Stimmung ist offen und rege tauschen wir uns aus, bis schließlich die Müdigkeit ihren Tribut fordert und Bernd sich nach 2 Uhr morgens aufs Rad schwingt und heimwärts begibt. Ich bin froh dass meine Schlafstatt heute Nacht die breite Couch hier in der Laube ist und krieche in meinen Schlafsack. Einige Zeit noch liege ich wach, die tiefgehenden Fragen haben mich aufgewühlt, Bernds durchgehend positive Einstellung und Motivation machen Mut, offen bleibt, was mir gelingen wird für mein Leben umzusetzen.

21.3.2012
SW

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