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70. Todestag von Marie Juchacz – AWO Köln erinnert mit Gedenkstunde an eine Pionierin der Demokratie

Köln, 28. Januar 2026.
Zum 70. Todestag von Marie Juchacz, Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und erste Frau, die jemals vor einem deutschen Parlament sprach, versammelten sich heute Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wohlfahrtspflege am Ehrengrab auf dem Kölner Südfriedhof. Die AWO Köln richtete eine feierliche Gedenkstunde aus, um das Leben und Wirken dieser außergewöhnlichen Sozialreformerin zu würdigen.
Bedeutung von Marie Juchacz
Marie Juchacz (1879–1956) zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten der deutschen Sozialgeschichte. Als SPD-Frauensekretärin arbeitete sie ab 1913 mehrere Jahre in Köln und setzte sich für Arbeiterinnenrechte, soziale Absicherung und politische Teilhabe ein. 1919 schrieb sie Geschichte: Als erste Frau überhaupt sprach sie vor der Weimarer Nationalversammlung – ein Meilenstein der demokratischen Gleichberechtigung.
Mit der Gründung der Arbeiterwohlfahrt im selben Jahr schuf sie eine Organisation, die bis heute zu den wichtigsten sozialen Trägern Deutschlands gehört. Ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit, praktische Hilfe und politische Emanzipation wirkt weit über ihre Zeit hinaus.
Die Gedenkstunde auf dem Südfriedhof
Die Veranstaltung begann mit einer Kranzniederlegung am Ehrengrab, das die Stadt Köln als Anerkennung für Juchacz’ Verdienste eingerichtet hat. Trotz winterlicher Temperaturen fanden sich zahlreiche Gäste ein, um der Sozialpolitikerin zu gedenken.
Zentrale Rednerin war Lydia Struck, die Urgroßnichte von Marie Juchacz. Die Historikerin und Autorin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem politischen Erbe ihrer Familie. In ihrem Vortrag zeichnete sie ein lebendiges Bild ihrer Großtante – einer Frau, die Mut, organisatorisches Talent und politisches Gespür vereinte. Struck betonte, wie aktuell Juchacz’ Werte geblieben sind: Solidarität, demokratische Verantwortung und der Anspruch, soziale Not nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu bekämpfen.
Anwesende Persönlichkeiten
Neben Lydia Struck nahmen weitere Vertreterinnen und Vertreter der AWO und der Kölner Stadtgesellschaft teil:
- Ingrid Hack, Co‑Vorsitzende der AWO Köln, würdigte Juchacz als „eine der wichtigsten Architektinnen moderner Sozialpolitik“.
- Ulli Volland‑Dörmann, Geschäftsführerin der AWO Köln, hob die Bedeutung der AWO-Gründerin für die heutige Arbeit des Verbandes hervor – insbesondere in Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit.
- Vertreterinnen und Vertreter der Kölner Politik, darunter Mitglieder des Rates und verschiedener Ausschüsse, unterstrichen die historische Verbindung zwischen Köln und Juchacz’ Wirken.
Die Gedenkstunde bot Raum für Austausch, historische Einordnung und persönliche Erinnerungen. Viele Teilnehmende betonten, dass Juchacz’ Haltung – pragmatisch, mutig, menschenzugewandt – gerade heute Orientierung bietet.
Einordnung
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie lebendig das Erbe von Marie Juchacz geblieben ist. Ihr Einsatz für soziale Teilhabe, Frauenrechte und demokratische Mitgestaltung ist nicht nur historisch bedeutsam, sondern wirkt als moralischer Kompass in aktuellen gesellschaftlichen Debatten.
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