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Köln: DeepL entlässt 25 % der Mitarbeitenden – einmal weitergedacht zeigt sich die neue Ordnung der Arbeit
Unternehmensleiter Jarek Kutylowski teilte gestern über das berufliche Netzwerk LinkedIn mit: „Wir reduzieren die Belegschaft von DeepL um etwa 250 Stellen.“ Es sei „die schwierigste Entscheidung“ seiner Karriere – aber notwendig, um „weltweit führend im Bereich der KI zu bleiben“.
Die verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen dort eingesetzt werden, wo die Stärken des Menschen zum Tragen kommen, während KI im Hintergrund Routine‑ und Fleißarbeiten übernimmt. „KI‑Systeme werden es uns ermöglichen, mehr Energie in die Arbeit zu stecken, die wirklich zählt, und mit einer bisher ungeahnten Geschwindigkeit voranzukommen, wobei wir wiederkehrende Hindernisse und alltägliche Ineffizienzen hinter uns lassen“, so Kutylowski.
Er führt weiter aus: „Wir durchleben gerade einen massiven strukturellen Wandel dessen, welche Arbeit existiert, wer sie erledigt und wie viele Menschen dafür nötig sind.“ Unternehmen, die diesen Wandel jetzt vollziehen, würden das nächste Jahrzehnt prägen. „Diejenigen, die abwarten, werden es damit verbringen, aufzuholen.“
DeepL bietet insbesondere Unternehmen Echtzeit‑Sprachübersetzung an. Während Google, Meta und OpenAI an vielen Themen gleichzeitig arbeiten, konzentriert sich DeepL auf:
- Sprache
- Übersetzung
- Schreibassistenz
- Sprachautomatisierung
Und in diesen Bereichen ist das Unternehmen außergewöhnlich stark.
Das IT‑ und KI‑Unternehmen zeichnet ein klares Bild davon, wie Unternehmen heute und in den kommenden Jahren KI intern einsetzen werden, sofern sie dazu in der Lage sind. Es ist eine wichtige Botschaft, die der Unternehmensgründer vermittelt – und sie sollte ernst genommen werden.
Datenerfassung, Datenanalyse und Routineabläufe werden künftig weitgehend durch KI‑Automatisierung erledigt. Menschen werden vor allem noch entscheiden, prüfen, freigeben, korrigieren und nachfassen. Große Bereiche der klassischen Büroarbeit – von Datenerfassung über Telefonie bis hin zu Sachbearbeitung, Dokumentation und Analyse – werden schlicht wegfallen. Unternehmen können dadurch 25 % und mehr der Verwaltungskosten einsparen. Die verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit 75 % der Belegschaft produktiver sein als zuvor die vollständige Belegschaft.
Für kleine KMU kann der Einsatz von KI‑Automatisierung zu einem enormen Produktivitäts‑Booster werden, insbesondere wenn Unternehmer kreativ und ideenreich sind. Die Arbeitskraft des Unternehmers kann dadurch multipliziert und potenziert werden.
Auch die öffentliche Verwaltung wird stark einsparen können. Krankenkassen ebenso. Viele heutige Büroflächen werden zu Wohnungen umgewandelt werden – doch es stellt sich die Frage: Wer wird diese Wohnungen bezahlen, wenn Arbeit verschwindet? Arbeit finanziert Wohnen. Daher stellt sich die grundlegende Frage: Welche Arbeit wird es künftig noch geben?
Wer heute sagt: „Ich will einen coolen, gut bezahlten Job mit tollen Leuten“, sagt oft nicht, dass er arbeiten will, sondern dass er performen will. Darsteller von Arbeit werden in Zukunft nicht gebraucht. Gefragt sind Menschen, die KI nutzen können – und Menschen, die Tätigkeiten ausführen, die nur Menschen leisten können.
Eine Wirtschaftsform, die Gewinn ins Zentrum stellt und mono‑monetaristisch organisiert ist, wird die Menschlichkeit nicht automatisch berücksichtigen. Es ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese Entwicklung zukunftsfähig zu gestalten – und sie nicht allein den betrieblichen Entscheidungen der Unternehmen zu überlassen.
Die Einführung eines Rechts auf Arbeit könnte diese Entwicklung in eine neue Richtung lenken. Dann müssten wir überlegen, was mit den vielleicht fünf Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geschieht, deren Tätigkeiten künftig von KI übernommen werden. Naheliegend wäre eine Beschäftigung in Bereichen, die nur Menschen realisieren können.
Die Stärke der menschlichen Spezies liegt in Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Kreativität. KI und Robotik können uns ein Leben auf einem neuen Niveau ermöglichen – aber dafür brauchen wir neue Technologien, neue gesellschaftliche Organisation und ein neues Denken.
Da unser Land in vielerlei Hinsicht unter Druck geraten ist, wäre es sinnvoll, auf theoretischer Ebene Tabula Rasa zu machen und eine professionelle Neuorganisation der Gesellschaft zu planen: ein Land, das hypermodern, humanistisch ausgerichtet, fortschrittlich und effektiv ist – das aber auch allen Arbeit und Freizeit ermöglicht und niemanden in Existenzangst zurücklässt. Die Kraft der KI‑Automatisierung wäre nicht nur betrieblich, sondern gesamtgesellschaftlich zum Vorteil zu nutzen – zum Vorteil aller.
⭐ Der Wendepunkt
KI ordnet die Arbeit neu. Die Gesellschaft muss die Ordnung neu planen – und leben.
Alles gehört auf den Tisch: Geburt, Kindheit, Jugend, Ausbildung, Meisterschaft, Wohnen, Gesundheit, die Rolle der Unternehmen und ihr Beitrag zum Ganzen, Ruhestand, Pflege und Sterben.
Von der Wiege bis zur Bahre müssen wir die Ordnung neu denken. Wir sind nicht Ware, nicht Objekt – wir sind Gestalter. Wir sind Subjekt.
Ohne diesen Plan wird Effizienz zur Erosion – mit ihm wird sie zur Befreiung.
⭐ Drei Wege stehen offen
- Eine KI‑Sozialabgabe, die stabilisiert – aber Menschen zu Objekten macht.
- Eine KI‑BWL‑Logik, die zerstört – der Weg in KI‑Feudalismus und KI‑Monomonetarisierung.
- Eine konsequente Neuordnung, die KI zur Grundlage eines humanen Zeitalters macht – der Human‑Upgrade‑Weg.
KI‑Monomonetarisierung – eine KI‑BWL‑Logik ohne gesellschaftlichen Plan – zerstört die Ordnung. Ein Human‑Upgrade baut die Ordnung neu auf.
⭐ Objekt oder Subjekt? Die Frage des 21. Jahrhunderts
Die Fragen, die Marx und Engels im 19. Jahrhundert stellten, kehren zurück. Nur diesmal geht es nicht um Maschinen, sondern um KI. Nicht um Fabriken, sondern um Modelle. Nicht um Kapitalisten vs. Proletariat, sondern um Owner vs. Gesellschaft.
Wird die Menschheit Objekt – oder wird sie Subjekt?
Im 19. Jahrhundert lautete die Frage:
Wird der Mensch zum Anhängsel der Maschine – oder gestaltet er die Produktionsweise selbst?
Heute lautet sie:
Wird der Mensch zum Anhängsel der KI – oder gestaltet er die KI‑Gesellschaft selbst?
Subjekt sein heißt: die Produktionsweise gestalten, nicht erleiden.
⭐ Blick in die USA
Die USA diskutieren KI nicht abstrakt, sondern entlang realer sozialer Brüche:
- Massenentlassungen in Tech, Medien, Callcentern
- Produktivitätsgewinne, die fast ausschließlich zu KI‑Ownern fließen
- Lohnstagnation trotz wachsender Unternehmensgewinne
- Prekarisierung großer Teile der Wissensarbeit
- Verlust von Mittelschicht‑Berufen
- extreme Vermögenskonzentration
Das ist nicht Theorie. Das ist empirische Realität.
Die USA nennen das:
- AI Feudalism
- AI Capitalism
- AI Monoculture
Ich nenne es:
KI‑Monomonetarisierung – die Fortsetzung der herrschenden betriebswirtschaftlichen Logik mit den Mitteln der KI, auch um den Preis, alles außerhalb des Monetären zu zerstören.
Jochen Geis
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