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Politik ist etwas für Leute mit Zeit oder für Leute die dafür bezahlt werden

Jedenfalls haben viele normale Menschen ein Problem, ehrenamtliches Engagement und persönliche Verpflichtungen gegenüber der Arbeit, Familie dem eignen Unternehmen unter einen Hut zu bringen. Menschen die Mitten im Leben stehen sind eigentlich in der Politik gefragt. Immerhin finden oft Menschen die einmal mitten im Leben standen dann als Rentner wieder in das Ehrenamt. Bundesministerinnen wurden bereits in der Amtszeit schwanger und haben sich in den Urlaub verabschiedet, einem Bezirksvertreter scheint dies kaum möglich
Bezirksvertreter Simon Bujanowski gibt Mandat wegen Elternzeit ab – Kritik an mangelnder Vereinbarkeit von Familie und ehrenamtlicher Politik
Wechsel in Porzer SPD-Fraktion zum neuen Jahr
 
In der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Porz steht zum Jahresbeginn ein Wechsel an. Aufgrund seiner Elternzeit gibt der Fraktionsvorsitzende Dr. Simon Bujanowski sein Mandat ab. Bujanowski war seit der Kommunalwahl 2009 Mitglied der Bezirksvertretung. Im Dezember 2014 wählte ihn die Fraktion zu ihrem Vorsitzenden und bestätigte ihn seither im Amt, stets einstimmig. Seit Oktober 2023 bis Mitte 2024 wird Bujanowski in Elternzeit sein.
Bujanowski begründet seinen Mandatsverzicht wie folgt: „So lange Politik in Köln ehrenamtlich organisiert ist, wird sie unattraktiv für Menschen mit kleinen Kindern sein. Denn es bringt sie in die unmögliche Situation, die freie Zeit neben dem Job zwischen Familie und Politik aufzuteilen. Ich möchte für meine Familie da sein und ich habe den Anspruch, mein Ehrenamt, wenn ich es denn mache, richtig auszuüben. Gerade als Fraktionsvorsitzender bedeutet das nicht nur, viele Akten zu lesen, sondern vor allem eine Menge Termine wahrzunehmen, oft abends und am Wochenende, fast alle in Präsenz.“
Bujanowski weiter: „Meine Entscheidung ist klar, aber sie war alles andere als leicht: Ich bin sehr gerne Fraktionsvorsitzender gewesen. Wir haben ein tolles Team als SPD-Fraktion, das immer sprachfähig, vorbereitet und engagiert ist und die mit Abstand stärkste Arbeit in der Bezirksvertretung macht. Vieles haben wir in den letzten Jahren gemeinsam erreicht, das bleibt: Die Jugend-Bezirksvertretung, den Runden Tisch Radverkehr, die Neue Porzer Mitte, den Fokus auf die Siedlung Glashüttenstraße. Auch viele kleine Themen, Zebrastreifen, neue Supermärkte, unzählige Verkehrsthemen, viele kleine Verbesserungen für den Alltag der Menschen in Porz und Poll. Und das alles aus der Opposition heraus. Vieles bleibt aber auch noch zu tun: Porz hat immer noch keine zweite Gesamtschule, kein neues Lehrschwimmbecken, die Bezirksvertretungen haben immer noch zu wenig Rechte und viele politische Beschlüsse bleiben einfach jahrelang liegen, ohne dass die Stadtverwaltung sie umsetzt.“
Bujanowski hob zudem die Rolle der SPD-Fraktion nach der umstrittenen Bezirksbürgermeister-Wahl 2014 hervor. Damals war die Mehrheit für den Bezirksbürgermeister nur durch Pro Köln und AfD zustande gekommen. Der gewählte CDU-Kandidat nahm damals die Wahl an, was die SPD als einzige Fraktion konsequent kritisierte. Bujanowski sagte: „Gerade in diesen Wochen, in denen die Rechtsextremen im ganzen Land auf dem Vormarsch scheinen, zeigt sich überdeutlich, wie wichtig es ist, klare Haltung zu bewahren. Alle Demokraten müssen gegen die Gefahr von rechts zusammenstehen. Keinen Dammbruch akzeptieren, keine Normalisierung zulassen, keine Relativierung betreiben. Nur mit klarer Haltung gegen rechts kann unsere Demokratie bestehen.“
Bujanowski hatte die Porzer SPD bei der folgenden Kommunalwahl 2020 als Spitzenkandidat angeführt. Damals erreichte die Porzer SPD das beste SPD-Ergebnis in den neun Bezirksvertretungen.
Die Fraktion bedauerte das Ausscheiden von Bujanowski und zeigte gleichzeitig Verständnis. Lutz Tempel, stellvertretender Bezirksbürgermeister, sagte: „So sehr ich die Entscheidung von Simon Bujanowski verstehe, so sehr bedaure ich diese. Simon Bujanowski hat sich im jungen Alter tief in die Belange der Bezirksvertretung eingearbeitet und dort viele sozialdemokratische Themen zur Verbesserung für die Menschen vor Ort eingebracht. Besonders am Herzen lag ihm, die Rechte der Bezirksvertretungen zu stärken, um so noch mehr für die Bürgerinnen und Bürger tun zu können. In der Tat ist es kaum mehr zu ertragen, dass das im Zuge der „Verwaltungsreform“ immer weiter aufgeblähte Amt der Oberbürgermeisterin mehr mit der Prüfung beschäftigt ist, was alles nicht geht, anstatt den Stadtbezirken bei der Umsetzung von Verbesserungen zu helfen. Das führt in der Quintessenz dazu, dass immer mehr engagierte Menschen das Handtuch werfen. Für Köln geht es dadurch immer weiter bergab.“
Die stellvertretende Vorsitzende Jutta Komorowski sagte: „Alle vier anderen Bezirksvertreter*innen haben ebenfalls Kinder und teils Enkel und verstehen die Situation mit mehreren kleinen Kindern sehr gut. Wir danken Simon Bujanowski, dass er sich viele Jahre schon als erfahrener Vater mit Nachdruck für die Interessen nicht nur der jungen Generation an Bildung, Wohn- und Arbeitsplätzen, Gesundheit und Freizeitgestaltung im rechtsrheinischen Kölner Stadtbezirk 7 eingesetzt hat.“
In die Fraktion nachrücken wird Nils Beuthert aus Wahnheide. Die Fraktion wählt in ihrer ersten Sitzung des Jahres am 15. Januar einen neuen Fraktionsvorsitz.

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